Neurourologie

Schrittmacher bei Harnblasenfunktionsstörungen

Die sogenannte sakrale Neuromodulation (SNM) ist eine Alternative bei Harnblasenfunktionsstörungen (schlaffe, als auch überaktive Blase), wenn konservative Therapien nicht den gewünschten Erfolg zeigen. Hierfür wird ein kleiner Schrittmacher implantiert, der schwache Stromimpulse an die Sakralnerven im Kreuzbein abgibt. Das Verfahren ist seit Mitte der 1990er Jahre etabliert. Zunächst erfolgt eine ca. zweiwöchige Testphase mit einem extern getragenen Schrittmacher. Hierfür werden in einer minimalinvasiven Operation Testelektroden am Gesäß unter die Haut gesetzt. Nach erfolgreicher Testphase kann der definitive Schrittmacher –von außen nicht sichtbar- implantiert werden. Das Prinzip der SNM ist es, gestörte Signale über den Status der Harnblase, welche über Nervenbahnen an das Gehirn gesendet werden zu ändern bzw. zu normalisieren. Die überlegene Wirkung der SNM gegenüber einer medikamentösen Therapie bei überaktiver Blase konnte 2014 in einer neurourologischen Studie eindrucksvoll gezeigt werden. Der einzigartige Vorteil der SNM ist die Testung der Wirksamkeit, bevor es zur Indikationsstellung einer eventuellen Implantation eines definitiven Schrittmachers kommt. Die Methode ist weiterhin geeignet Funktionsstörungen des Mastdarms zu behandeln. Weltweit wurden bisher ca. 150000 Patienten durch SNM behandelt.